2001-06-19 00:02:12
ÖVP: Unfrei sei das Wort
Der Literat Martin Krusche fühlt sich von der ÖVP recht sonderbar vereinnahmt. Mit dem "freien Wort" nehme es die Partei nicht so genau.

VON WERNER KRAUSE


Am Anfang stand, vor geraumer Zeit, eine Ermunterung. Gerichtet von der Nationalratsabgeordneten und Autorin Andrea Wolfmayr an ihren steirischen Dichterkollegen Martin Krusche. Dieser möge doch einen Essay zur kulturpolitischen Situation in der Steiermark schreiben. Krusche schrieb einen Text, bat aber, nach längerer Funkstille, Andrea Wolfmayr um Rückmeldung, zumal er nicht genau informiert worden war, wo sein Beitrag veröffentlicht werden sollte.

Dann multiplizierten sich befremdliche Vorgänge. Wolfmayr meldete, mit erheblichen verbalen Windungen, Einwände gegen allzu kritische Passagen an, Krusche teilte diese nicht und verlangte, seinen Beitrag zurückzuziehen. Für ihn sei die Sache damit eigentlich erledigt gewesen, erklärte Krusche gegenüber der Kleinen Zeitung.

Umso größer war - verständlicherweise - sein Groll, als er, eher durch Zufall, wesentliche Passagen seiner schriftlichen Überlegungen wieder fand - im kulturpolitischen Arbeitsprogramm der steirischen Volkspartei, gekürzt und "völlig aus dem Zusammenhang gerissen" (Krusche). Der Autor als Programmatiker wider Willen, eine mehr als befremdliche Vorgangsweise.

Krusche, der den für Wolfmayr blamablen Schriftverkehr unter "der.krusche@unplugged.at" ebenso penibel wie entlarvend dokumentiert hat, spricht von "bewusster Irreführung" und einer "klaren Verletzung der Urheberrechte".

Es passt zum offenkundig momentan gestörten Verhältnis der ÖVP zu Dichtern und dem "freien Wort", dass seine Ende Mai an Landeshauptmann Klasnic gerichtete Bitte um alsbaldige Stellungnahme und Regelung der Affäre bis zum heutigen Tag unbeantwortet blieb.

Wundersam bleibt auch Wolfmayrs Begründung für die Vereinnahmung des Autors und die getätigten Umformulierungen: "Der Text ist ein Arbeitstext und kein literarischer . . ." Nicht unpikant. Denn die Autorin Wolfmayr stand einstmals selbst im Mittelpunkt eines Urheberrechtsverfahrens. Als Betroffene.

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